Fulkum

Himmelfahrt 2002

Predigt am Himmelfahrtstag 2002 in Fulkum


von Wolfgang Beier, Pastor in Ochtersum

Liebe Gemeinde,

Es war in einer dieser kalten Nächte, wärmende Feuer flackerten hier und dort, dass sich eine Schar junger Männer gen Süden aufmachte, das Abenteuer zu suchen. Vermummte Gestalten, Mützen tief im Gesicht, unterwegs mit ihren Fahrrädern über die Wege der Feldmark, ihr Gerät im Gepäck, griffbereit. Immer wieder blicken sie sich suchend um, aber ihr Ziel scheint festzustehen: das Dorf tief im Süden. Kein Mond, der ihnen den Weg weist, aber den kennen sie auswendig. Immer wieder ein ermutigender Schluck aus mitgebrachten Flaschen, dann endlich sind sie am Ziel. Aber die Karawane wird nicht freundlich aufgenommen, bei der ersten Glut des verloschenen Grillfeuers werden sie vertrieben und in die Weite zurückgedrängt. Aber dann, im Schein eines Lagerfeuers, fanden sie freundliche Menschen, die Wache hielten. Wie steht es doch in der Schrift geschrieben? »Wenn Gott der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.« Ja, die freundlichen Menschen wussten tief im Herzen ihre Sache gut behütet und bewacht, sie wussten um den guten Ausgang, wenn sie nicht mit Gewalt reagierten, und so liessen sie die Männer der Karawane gewähren - - - drei Stiche mit dem Spaten, und der Baum gehörte ihnen - - - . Und dann wurden Pläne geschmiedet, die Hoffnung auf ein Fest in der Nachbarschaft im Norden liess sie aufleben und alle Sorgen vergessen. Man war heiteren Gemüts, geschwätzig geradezu, ausgelassen.

Und dann sollte der Baum mit, aber das erste Fahrrad ging in die Knie unter dem Gewicht des Stammes, und so wurde nichts daraus, und als das erste Licht am Horizont erschien, kehrten die Männer zurück in ihre Heimat, etwas angeschlagen, aber voller Pläne für den kommenden Tag.

Als der Morgen dann vollends getagt hatte und längst nicht mehr grau war, und das Mittagessen auch schon fast Schnee von gestern war, machten sich die Männer auf, das Werk zu vollenden. Sie kamen mit schwerem Fuhrwerk und machten sich ans Werk, aber wie es in den alten Schriften heisst:
»Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.«

Keiner weiss mehr recht, wie es geschah, oder wie es hätte vermieden werden können, oder ob es zwangsläufig so geschah aber jedenfalls es war so: der Maibaum der Ochtersumer Dorfjugend zerbrach und kam in Stücken hier in Fulkum an. Die Motivation der jungen Männer strebte gegen Null, aber die Regularien des Werkes erforderten es, dass der gestohlene Baum bis zum Abend des folgenden Tages neben dem eigenen Baum aufgestellt werden muss. Nun kam guter Rat her in Form des letztjährigen Fulkumer Maibaumes, der wurde komplett neu geschmückt, und hier steht er nun neben dem eigenen Maibaum, weithin sichtbar, dass hier in diesem Dorf noch ein Fest aussteht. Es kommen bis Pfingsten, streng nach den Regularien, noch Leute aus der Nachbarschaft zu Besuch, um den Maibaum in Arnos Garten einzulösen - die freuen sich auf ein neues Abenteuer. Auf neue Gespräche, Begegnungen und was es so mit sich bringt.

 

Liebe Gemeinde,

warum ich euch diese Geschichte erzähle??

Weil hier Kommunikation geklappt hat. Den alten Bräuchen etwas Leben eingehaucht. Dem Abenteuer nachgespürt. Weil darin anklingt, was beim Thema Himmelfahrt wichtig ist:
das Abenteuer und die Kommunikation.

Die Worte sind modern, aber sie bedeuten genau das, was Jesus seinen Leuten aufgetragen hat.

Als in der ersten Geschichte die Jünger sich so richtig dicke mittendrin in der Heilsgeschichte fühlen, mit Erscheinungen von Mose und Elia, da sagen sie: Meister, ah hier ist’s gut, hier lasst uns Hütten bauen! Sie wollen klare Verhältnisse, es soll immer so bleiben, sie würden sich am liebsten zur Ruhe setzen.

Aber nein!! Das Abenteuer ist angesagt, Jesus schickt sie los auf die Strassen und Plätze dieser Welt, sie sollen geschwätzig sein, kontaktfreudig, sie sollen ihr frommes Selbstbewusstsein kommunizieren, mitteilen.

Hütten bauen wollen sie am liebsten, aber ihr Weg geht weiter. Lehren und taufen, den Leuten davon erzählen, wie sie sich in ihrem Selbstbewusstsein als schlechthin abhängig von Gott fühlen.

Ich meine, dieser Auftrag ist mit den Worten Abenteuer und Kommunikation hinreichend beschrieben - denn darauf läuft es immer hinaus, wenn man sich darauf einlasst. Ob man sich aufmacht, alte Bräuche mit Leben zu füllen, oder ob man dem Glauben nachgeht, immer hat man es gleich mit Abenteuer zu tun, so wollte es Jesus von uns. Und dass wir mit den Menschen kommunizieren und mit dem unmittelbaren Weltgeschehen um uns herum.

 

Liebe Gemeinde,

warum ich euch das heute erzähle??

Ihr seid heute aufgebrochen, Begegnungen, Gespräche und Erinnerungen zu finden. Alles Kommunikation. Hier in Fulkum. Auf diesem legendären Fest. Das reine Abenteuer.

So wollte unser Herr das von uns.

Nicht Hütten bauen und sich fein zur Ruhe setzen, sobalds mal ein bisschen spannend wird, sondern hinausgehen in diese feine Welt und auf die Märkte und Plätze, die sie bereithält.

Und Jesus selbst? Mit segnender Gebärde wird er in den Himmel gehoben. So bleibt er uns erhalten: segnend.

Und sitzend zur Rechten Gottes.

Ein ebenso einfühlsames und tröstliches wie gleichermassen unverständliches Bild. Damit bleiben wir ein wenig ratlos zurück, in der Tat.

Aber wir haben ja seinen Auftrag - an den halten wir uns: Abenteuer und Kommunikation.

Und die Aussicht auf ein Fest.

Womit ich wieder an den Anfang zurückgekehrt wäre.

Amen.

 

 

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